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Eigene Partien

Wie wird man Großmeister?

Schach in der DDR

Vita

Oberliga, Sonderliga – die etwas andere Meisterschaft

Erinnerungen von Rainer Knaak

Die DDR-Mannschaftsmeisterschaften wurden bereits in den 50er Jahren in einer das ganze Land umfassenden Liga ausgetragen. Stets wurde an 8 Brettern gespielt und die erzielten Brettpunkte waren der Maßstab für die Platzierungen der Mannschaften.

Wechselnd war hingegen die Anzahl der Teams. Nachdem lange Zeit mit 6 Mannschaften gespielt wurde, erhöhte man die Zahl 1966 auf 10. Aber schon im Jahr darauf gab es eine äußerst starke Polarisation: die vier Spitzenvereine aus Berlin, Leipzig, Dresden und Halle dominierten die Oberliga völlig und waren teilweise auch mit den zweiten Mannschaften in der höchsten Spielklasse vertreten. Nur so ist zu erklären, was dann geschah: Man führte 1968 eine Sonderliga mit nur 4 Mannschaften ein und es gab keinen Ab- und Aufsteiger mehr. Außerdem kam das volle Scheveninger System zur Anwendung, d.h. jeder Spieler bekam alle 8 Bretter der gegnerischen Mannschaften zum Gegner – für die jungen Spieler an den hinteren Brettern war das eine reizvolle Sache. Die 24 Einzelrunden wurden so verteilt: An drei Wochenenden kamen jeweils 4 Runden zur Austragung, nämlich am Freitag eine, am Samstag zwei und am Sonntag noch eine. Dann wurden noch 12 Partien in einer zentralen Endrunde gespielt. Für die meisten Spieler war das in der sozialistischen DDR kein Problem: man bekam von seinem Betrieb bezahlte Freistellungen für diese Veranstaltungen.

Die Sonderliga mit nur 4 Mannschaften war natürlich umstritten. In der Saison 1972/73 wurde die Zahl der Teams wieder auf 8 erhöht. Schach zählte ab 1972 nicht mehr zu den geförderten Sportarten, das machte sich auch an der Basis bemerkbar. Man ging nicht mehr automatisch in einen der vier Spitzenklubs, wenn man was werden wollte. Vereine wie Strausberg und später Erfurt drangen in die Spitze vor.

Doch der Name Sonderliga blieb zunächst (bis 1982). Und es blieb auch die knallharte Austragungsform mit 4 Partien am Wochenende; sie wurde bis zur Saison 1987/88 beibehalten. In diesem langen Zeitraum änderte sich das Spielsystem kaum. Es wurde das halbe Scheveninger System angewendet, d.h. die Bretter 1-4 spielten untereinander und die Bretter 5-8 ebenso. Man kam also auf insgesamt 28 Einzelrunden.

Die Bedenkzeitregelung sah schon frühzeitig, d.h. mindestens Anfang der 70er Jahre, 40 Züge in zwei Stunden vor (das wurde international erst 1986 eingeführt), dann wurden 25 Züge in einer halben Stunde gespielt (zumindest in den 80er Jahren), und es gab auch Hängepartien; die wurden erst sehr spät abgeschafft. Hängepartien wurden abgeschätzt.

Die Spielstätten waren in der Regel miserabel. Übernachtungsmöglichkeiten stellten stets ein riesiges Problem dar, nicht weil sie zu teuer waren, sondern weil es zu wenige gab.

Gagen für Partien waren absolut unüblich. Bis Anfang der 70er Jahre gab es viele Spieler, die fürs Schachspielen ein festes Gehalt bezogen, aber das hatte mit dem Verein nichts zu tun. Später hatten nur noch die GM Uhlmann, Bönsch, Vogt und Knaak eine solche Stelle, aber die schloss eine Verpflichtung im Verein nicht ausdrücklich mit ein. Andere Spitzenspieler haben sich teilweise ähnliche Bedingungen bei Vereinen geschaffen. Aber es war eben selbstverständlich, dass man in der Mannschaft mitspielte, wenn man nicht gerade an einem Turnier im Ausland teilnahm.

Für viele Talente und Spieler der zweiten Reihe stellte die Sonder- bzw. Oberliga eine reizvolle Spielmöglichkeit dar, für die Spitzenleute war sie eher eine lästige Pflicht. Dennoch ist es schade, dass die Partien nicht erfasst worden sind. Berichte über die einzelnen Jahre kann man in den alten Heften von „Schach“ nachlesen.