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Eigene Partien

Wie wird man Großmeister?

Schach in der DDR

Vita

Teleschach

Von links, sitzend (beim Finale der 2. Teleolympiade 1982): Dr. Malich, Knaak, Vogt, Uhlmann; stehend: Bernd Dietze, Armin Heinze (aus Schach 1/1983)

Beim Teleschach sitzt jeder Spieler an „seinem Ort“, die Züge werden per Telefon oder Telex übertragen. Die Erfindung ist ja alt, schon Steinitz und Chigorin haben 1890 zwei Aufsehen erregende Partien um 750 $ Einsatz über Kabel gespielt. Es gibt noch ältere Partien, in der Mega 2003 wird für 1860 eine Telefonpartie genannt, für 1872 sind Beratungspartien London-Wien ausgewiesen. Berühmt geworden ist auch Bobby Fischers Teilnahme am Capablanca-Gedenkturnier von 1965 – er hatte kein Visum für Kuba bekommen. Er saß dann im Marshall Chess Club in New York und seine Gegner in Havana.  

Beim Wiederaufleben des Teleschachs im Jahr 1977 war die DDR mit federführend – es war eine Gemeinschaftsproduktion der ICCF und der FIDE, Turnierdirektor war Armin Heinze (DDR). Da wurde auch die Auslosung ein wenig gesteuert, die DDR hatte meistens erstmal ein Freilos und dann keine unangenehmen Gegner (etwa die BRD). Dieser Wettbewerb passte gut zur DDR: Reisen in den Westen waren nicht erforderlich. Damals, in der Vorcomputerära, war es auch denkbar, dass das Ganze eine gewisse Zukunft haben könnte, bessere technische Bedingungen natürlich vorausgesetzt.  

Es war ein eigenartiges Schach – man sah seinen Gegner nicht, alles dauerte und dauerte. Selbst wenn der Gegner a tempo wiederschlug, konnte man ein paar Minuten warten und schon mal überlegen, was man dann spielte. Es war aber auch immer eine sehr entspannte Angelegenheit, man fand immer die Zeit für ein Schwätzchen, konnte etwas essen, ausruhen … Auch Fischers Partien von 1965 waren eine zähe Angelegenheit, und damals war es nur eine Partie. Nun spielten jeweils 8 Bretter gleichzeitig. Allerdings war das technische Niveau armselig: egal ob mit Telefon oder Telex – es wurde meistens nur mit einer Leitung gespielt, und so war eine langsame Übermittlung vorprogrammiert. Wir rechneten mit 1:2, d.h. bei 4 Stunden Spielzeit mussten auch 4 Stunden Übermittlung eingeplant werden. Aber das war der Optimalfall. Häufig hat es noch viel länger gedauert. Beim Finale 1982 hatten wir zwei Telex-Leitungen, aber schneller ging es trotzdem nicht. Da es ja auch Zeitverschiebungen gab, saß man dann häufig spät in der Nacht noch da. Wir hatten auch mehr als einmal die Gegner im Verdacht zu schummeln. Computer konnten noch nicht eingesetzt werden und gemeinsame Analysen fürchteten wir auch nicht so sehr. Aber es kam vor, dass jemand nur noch wenige Minuten auf der Uhr hatte, aber diese waren auch nach weiteren Stunden nicht verstrichen. Das Schummeln war sicher nicht immer systematisch und beabsichtigt. Es waren ja Helfer da, die die Züge vom Telex in den Spielsaal brachten. Manchmal war ein anderer „Helfer“ noch schneller und informierte schon über den Zug. Dann lief die Uhr natürlich noch nicht. Oder man sprach mit jemand über die Stellung, das nahm keiner so genau. Aber auf dem Brett analysiert wurde bei uns nie.  

Als wir 1990 gegen die UdSSR die 3. Teleschach-Olympiade gewannen, spielte dort angeblich am Ende der Hausmeister. So sagten es einige Russen später; das war wohl mehr ein Scherz, aber es ist gut denkbar, dass einige Spieler am Ende gar nicht mehr präsent waren. Sie zogen ja auch einfach nicht mehr.  

Ich habe immer sehr gut gespielt, meistens bekam ich deshalb Weiß. Beim 82er Finale brachte ich uns in Führung (Knaak-Tseshkovsky 1982), doch nach 9 Stunden wurde vereinbarungsgemäß abgebrochen, obwohl die ebenfalls vereinbarten 50 Züge nicht gespielt waren; nur 4 Partien waren beendet. Die anderen vier wurden abgeschätzt und eine davon ging verloren; beim 4:4 hatten die Russen die bessere Wertung. Aber 1990 hat es dann geklappt. Ich gewann gegen Vyzmanavin (Vyzmanavin-Knaak 1990) und beim Abschätzen der Stellungen verloren wir nur eine Partie, so dass wir beim neuerlichen 4:4 diesmal die bessere Wertung aufwiesen.